"Schlaganfall ist immer ein Notfall!"

Interview mit Dr. Peter Kleeschulte zum Tag gegen den Schlaganfall

Schlaganfall
Schlaganfall / Foto: HSK
Pressemeldung vom 09.05.2018

Hochsauerlandkreis


Zum Tag gegen den Schlaganfall am 10. Mai, welcher durch die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe initiiert wird, wird das Thema Schlaganfall bundesweit ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt.  Über Risikofaktoren, Symptome und Therapie haben wir (HSK) mit Dr. Peter Kleeschulte Leiter des Gesundheitsamtes Hochsauerlandkreis gesprochen.


 


HSK: Warum ist das Thema Schlaganfall so wichtig?


Dr. Kleeschulte: Das Thema ist so wichtig, weil der Schlaganfall immer ein Notfall ist. Früher war der Schlaganfall, oder auch Apoplex, in der allgemeinen Wahrnehmung der Bevölkerung kein Notfall. Erst in den letzten Jahren wurde durch neue Therapieansätze der Schlaganfall als Notfall erkannt. Pro Jahr gibt es ca. 270 000 Schlaganfälle in ganz Deutschland.


 


HSK: Wer ist betroffen?


Dr. Kleeschulte: Die meisten glauben nur Erwachsene und vor allem ältere Menschen wären betroffen. Das ist nicht so. Vielmehr kann es jede Altersgruppe treffen, sogar Kinder. Aber grundsätzlich ist der Schlaganfall eine Folgeerkrankung. Die plötzliche Minderdurchblutung von Hirnarealen kann mehrere Ursachen haben. Häufig ist eine Thrombose, also ein Verschluss einer Arterie, Ursache eines Schlaganfalles. Aufgrund dessen wird der Schlaganfall auch Hirninfarkt genannt.


 


HSK: Gibt es bestimmte Risikofaktoren, die zu einem Schlaganfall führen können?


Dr. Kleeschulte: Da gibt es ganz verschiedene Faktoren, wie z.B. eine Fettstoffwechselerkrankung, Rauchen, Diabetes, hoher Blutdruck, Übergewicht und Bewegungsmangel. Diese Risikofaktoren führen zu Veränderung von Gefäßinnenwänden, die dann zu einem Hirninfarkt führen können. In bis zu 20 Prozent der Fälle kann es sich bei einem Schlaganfall aber auch um eine Hirnblutung handeln.


 


HSK: Was zeichnet den Schlaganfall aus? Welche Symptome gibt es?


Dr. Kleeschulte: Schwindel, Sehstörungen im Sinne von Doppelbildern oder Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit können Symptome sein. Außerdem ist es möglich, dass Übelkeit und Erbrechen eintreten. Häufig kommt es zu einer einseitigen Lähmung. Dieses Symptom erkennt man besonders im Gesicht. Hängende Augenlider oder Mundwinkel sind hier charakteristisch. Je nach betroffenem Hirnareal, kann es auch zu Sprachstörungen kommen.


 


HSK: Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?


Dr. Kleeschulte: Es ist wichtig, dass eine sofortige Behandlung erfolgt. Die Ursachenforschung steht am Anfang im Mittelpunkt der Untersuchungen. Man muss herausfinden ob es sich um eine Blutung oder einen Gefäßverschluss handelt. In einem kurzen Zeitfenster von viereinhalb Stunden muss man im Falle eines Verschlusses mit der Lysetherapie beginnen. Dabei wird ein Medikament per Infusion verabreicht. Dieses wirkt wie ein Blutverdünner, deswegen ist es so wichtig eine Blutung auszuschließen. Wenn das Zeitfenster überschritten wird, wird diese Therapie nicht mehr möglich und eingetretene Symptome können bestehen bleiben.


 


HSK: Haben Betroffene die Möglichkeit im Hochsauerlandkreis behandelt zu werden?


Dr. Kleeschulte: In sogenannten Stroke Units, Schlaganfall-Spezialstationen, können Patienten und Patientinnen optimal behandelt werden. Im Hochsauerlandkreis haben wir im St. Johannes-Hospital in Arnsberg eine Stroke Unit. Dort kann die neurologische Behandlung stattfinden.


 


HSK: Was passiert nach dem Klinikaufenthalt?


Dr. Kleeschulte: Im Anschluss an die stationäre Behandlung kommen die meisten Betroffenen direkt in die Anschluss-Heilbehandlung. Dort werden die Patientinnen und Patienten in ihrer Genesung unterstützt.


HSK: Vielen Dank, dass Sie sich für das Thema Zeit genommen haben.

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